Pforzheim-Eutingen und Niefern: Altlasten an der A 8: US-Tankstelle verseuchte den Boden

 

Die Enzbrunnen zwischen Pforzheim, Eutingen und Niefern sind für die Bürgerinnen und Bürger die Grundlage zur Eigenversorgung mit Trinkwasser. Trinkwasser ist unser höchstes Gut und muss auf alle Fälle geschützt werden.

Einer der Brunnen ist bereits der Buckenbergauffahrt zum Opfer gefallen, weiterhin ist an der Mäuerachklinge ein Brunnen weggefallen. Allmählich wird es eng. Außerdem steht der A8 Autobahnausbau an und dort liegen die nächsten großen Brunnen! Auch auf den Brunnen am Holzhof samt dem Einzugsgebiet (Wasser braucht Fläche, um sich zu sammeln) können wir nicht verzichten.
Denn ohne Wasser gibt es kein Leben.

(Kommentar: Gundi Köhler, Ortschaftsrätin in Eutingen)

 

NIEFERN-ÖSCHELBRONN. Die Kritik der Gemeinde Niefern-Öschelbronn an den Planern des Ausbaus der A 8 im Enztal wird schärfer. Die Verwaltung forderte das Land auf, die Altlasten der einstigen US-Tankstelle sofort zu beseitigen.          

- von Ralf Steinert, Mittwoch, 10.03.2010 -

 

Die Nachricht, dass der Boden unter der früheren Tankstelle der amerikanischen Truppen an der A 8 verseucht ist, ließ gestern Abend den Kamm der Gemeinderäte schwellen. Im Bürgerhaus in Öschelbronn trugen Verwaltung und Ratsgremium ihre Kritik an der geplanten sechsspurigen Modernisierung der 70 Jahre alten Autobahn zwischen den Anschlüssen Pforzheim-Nord und -Süd bei Wurmberg zusammen. Der Lärmschutz für die Anwohner der A 8 ist aus Sicht der Gemeinde nach wie vor unzureichend. Da in den Plänen, die seit 22. Februar im Rathaus ausliegen, erstmals die Altlasten der US-Tankstelle erläutert werden, forderte der Gemeinderat die Planer auf, sofort zu handeln.

Gefahr fürs Grundwasser
Sorgen machen vor allem die Kraftstofftanks, die noch immer im Erdreich gegenüber der heutigen Tank- & Rastanlage sind. Bohrungen hatten ergeben, dass aufgrund der hohen Schadstoffgehalte im Boden möglicherweise das Grundwasser gefährdet ist. Die Tankstelle war nach Angaben der Planer „in den 60er- oder 70er-Jahren“ geschlossen worden. Um 1986 seien die Gebäude aufgegeben worden, die Tanks jedoch nicht ausgebaut worden.


Die Gemeinderäte sprachen sich dafür aus, notwendige Untersuchungen nicht auf die lange Bank zu schieben. Ob das Grundwasser tatsächlich schon belastet ist, könne das Land erst durch weitere Proben herausfinden, so die Mitteilung des Fachbüros im Bericht über Altlasten der Autobahn. „Unabhängig vom Ausbau der A 8 müssen diese unhaltbaren Zustände sofort angegangen werden“, sagte Bürgermeister Jürgen Kurz in der Gemeinderatssitzung. „Sämtliche Kontaminationen müssen ausgebaut und schadlos entsorgt werden“, so das Gemeindeoberhaupt. Die Verwaltung lehne es auch ab, dass belastetes Material eventuell an anderer Stelle in die neue Autobahn wieder eingebaut werde. Im Baugrund-Gutachten der Planer sei ins Auge gefasst worden, „schadstoffbelastete Böden im Kern von Dämmen kontrolliert einzubauen“, so die Verwaltung. „Wir halten diese Vorgehensweise für unverantwortlich und verbieten den Einbau auf Nieferner Gemarkung“, so die Verwaltung im Entwurf für die Stellungnahme an das Regierungspräsidium Karlsruhe.

Kritik am Lärmschutzkonzept
Der Grundwasserschutz spielt auch während des Ausbaus eine große Rolle. Das Land habe die Gefahrenszenarien realistisch dargestellt, so Rathauschef Kurz. Der gesamte Ortsteil Niefern werde „zu hundert Prozent aus den Brunnen im Enztal versorgt“. Deshalb sei die Gemeinde nicht damit einverstanden, dass im Fall eines Falles als Gegenmaßnahme die Förderbrunnen abgeschaltet werden sollen. „Hier müssen weitere Alternativen gefunden werden“, sagte Kurz.

Auch beim Lärmschutz müsse das Land nachbessern, waren sich Verwaltung und Ratsfraktionen gestern Abend einig. „Fünf lange Jahre seien vergangen“, doch aus Sicht der Kommunalpolitiker habe sich wenig verändert. Mitte September 2005 hatten Anwohner der Autobahn sowie Kommunen bei der Diskussion in Niefern die Pläne des Landes gekippt. Der 380 Meter lange Tunnel, den das Land am Enzberg vorsieht, sei zu kurz. Die Gemeinde forderte das Land auf, eine Nutzen-Kosten-Analyse vorzulegen, um eine Brückenlösung zu prüfen.

Pforzheim Ost  A8 Enztal.
So sah die A 8 um 1956 aus: Die US-Truppen hatten eine Tankstelle (links) gegenüber der heutigen Rastanlage (re.),
doch beim Abriss blieben die Benzintanks im Boden.
Foto: PZ-Archiv

Mit freundlicher Genehmigung der Pforzheimer Zeitung