Heizkraftwerk (HKW) sollte freiwillig neue Grenzwerte einhalten

Zusammenfassung zum Erörterungstermin am 05.02.09:

Leserbrief im Pforzheimer Kurier 14.02.2009

von Bernd Zilly, 1. Vorsitzender Bürgerverein Mäuerach

 

Zum Artikel „Ist Müll ein Draufsatteln oder nur eine Kohle-Ersatz?“ im
Pforzheimer Kurier vom 9. Februar:


Das HKW zog seinen Antrag auf Absenkung der Verbrennungstemperaturen als erstes zurück – ein Erfolg für die Einwender. Fraglich ist, ob dadurch dem Gesamtantrag nicht die Grundlage entzogen wurde. Außerdem waren die
Unterlagen des Antragstellers nicht konsistent.


Beantragt ist, dass die Kontrolle der angelieferten Ersatzbrennstoffe (EBS) durch Stichproben im Nachhinein erfolgen soll, wenn bereits die Abgase das Kamin längst verlassen haben. Erstaunlich war, dass auch ein kaum bekannter
Quecksilber-Störfall im HKW im Jahr 2006 zur Sprache kam. Das zeigte, wie wichtig das Qualitätskonzept der angelieferten Ersatzbrennstoffe (EBS) ist und dass es dringend nachgebessert werden muss.

 

Denn: „Wenn man die Dinge erst erfährt, wenn das Gemüse im Garten vergiftet ist, ist diese Stadt nicht mehr lebenswert“, wie eine Einwenderin anmerkte. Es stellte sich heraus, dass die Ersatzbrennstoffe nicht eindeutig definiert und festgeschrieben sind. Die Spezialisten stritten sich darüber, ob das gesamte Heizkraftwerk „ganzheitlich betrachtet“ und neu bewertet werden muss, um eine mögliche Verschlechterung für die Menschen erkennen zu können, oder ob es reicht, den Wirbelschichtblock isoliert zu untersuchen.


Die Prädikate „Bio“ und „umweltfreundlich“ wurden sehr in Frage gestellt, da Müll, auch als Granulat veredelt, immer noch Müll bleibt. Außerdem wird Müll inzwischen als einträgliches Geschäft bundesweit in großem Maßstab importiert
und damit Mülltourismus betrieben.

Es gab höchst unterschiedliche Auffassungen zur Filteranlage und damit zum potenziellen Ausstoß von Schwermetallen. Herdofenkoks bringt die Lösung, wenn die Werte nicht stimmen, zeigten sich alle einig. Herdofenkoks sollte als Mittel für eine verbesserte Filterung von Schwermetallen verbindlich festgelegt werden, da es in Pforzheim technisch machbar und in anderen HKW’s Stand der Technik ist. Außerdem ist es kein Kostenfaktor.


Wie bereits ein Einwender angedeutet hat, sind Grenzwerte zwar gesetzlich festgelegt, werden aber gesetzlich ständig reduziert. Das HKW sollte nach neuestem Stand der Technik umgebaut werden und nicht auf dem Stand bereits
„veralteter“ Technik stehen bleiben. Die Einwender brachten ihre Erwartung zum Ausdruck, dass die HKW-Betreiber freiwillig die neu gültigen Grenzwerte für Stickoxide einhalten und auf die Übergangsregelung verzichten, die den
doppelten Wert erlaubt.

 


Mit freundlicher Genehmigung des Pforzheimer Kurier

 

 

Ergänzung von Heinrich Köhler zum Leserbrief von Bernd Zilly:

Über die Fraktionen der Feinstäube wurde vom Betreiber keine Aussage getroffen.

Durch den in Pforzheim bereits vorhandenen überhöhten Schornstein (100 m hoch) werden die Abgase - gegenüber dem nach TA Umwelt rechnerisch ermittelten Wert einer Schornsteinhöhe von 88 m Höhe - weiträumiger verteilt.
Hieraus sind relativ niedrige Zusatzbelastungen errechenbar, die dann als irrelevant bezeichnet werden. Somit erreicht man durch diese 100 m Schornsteinhöhe eine Schönrechnerei der Abgaswerte. Das HKW spart sich Zusatzmaßnahmen zu Lasten der Anwohner.