Wirtschafts- und Finanzmarktkrise (Vortrag in Pforzheim-Eutingen)

Pressemitteilung zum Vortrag von Michael Schlecht

 

Über dieses Thema referierte der bisherige Chefvolkswirt von Ver.di und jetzige Bundestagsabgeordnete Michael Schlecht im Rahmen der aktuellen Vortragsreihe der Unabhängigen Bürger für Pforzheim vor über 40 interessierten Zuhörern am Dienstagabend, 17.11.2009 im Gasthaus Bären in Pforzheim-Eutingen.


Der Referent verstand es, in einem spannungsgeladenen Vortrag die Zuhörer zu fesseln und ihnen die eigentlichen wirtschaftlichen und politischen Hintergründe der Finanzmarktkrise offenzulegen. Er spannte den Bogen über die Regierungen von Kohl und Schröder bis zum Herbst 2008, als auch Deutschland von der Finanzkrise getroffen wurde, und stellte eine direkte Verbindung her zwischen den seit Mitte der 90er Jahre anhaltenden Bemühungen der Bundesregierungen, Deutschland global wettbewerbsfähig zu halten, indem erhebliche soziale Einschnitte erfolgten und in Deutschland als einzigem EU-Land die Löhne real sanken.

 

Dank dieser Bemühungen konnte die deutsche Wirtschaft im Zeitraum 2000 bis 2008 über 925 Milliarden Euro Exportüberschüsse erzielen, die über den Bankensektor wieder in den USA angelegt worden waren, wo sie u.a. durch die ‚Lehmann Pleite’ vernichtet wurden. Der Referent belegte anhand amtlicher Zahlen, dass Deutschland über diesen gesamten Zeitraum global immer sehr erfolgreich war; diese Exportüberschüsse jedoch zu Lasten der Einkommen der Beschäftigten gingen und deshalb in Deutschland über diese Perioden sich die Binnennachfrage rückläufig entwickelte.

 

Die Hauptkritik seiner Ausführungen zielte auf die politisch extreme Ausrichtung, Exportüberschüsse über Jahre hinweg zu erzielen, denn dies setzt immer voraus, dass andere Staaten bereit sind, sich entsprechend zu verschulden – mit der Konsequenz, dass diese Schulden wie im vorliegenden Falle nicht mehr getilgt werden können.

 

Die Krise wird in Deutschland unterschiedlich wahrgenommen. Der Mittlere Neckarraum als ein Zentrum der deutschen Exportwirtschaft hat Einbrüche im Auftragseingang von knapp 60 %; andere Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern mit wenig Industrie sind davon fast nicht betroffen.

 

Der Einbruch im Bruttosozialprodukt 2008/2009 von knapp 10 % kann je nach amtlicher Prognose frühestens 2014, wahrscheinlich aber erst viele Jahre später kompensiert werden. Als Auswirkung der Krise steigen die öffentlichen Ausgaben, während die Einnahmen sinken. Laut Finanzministerium werden sich die Deckungslücken von 2009 bis 2013 auf 510 Milliarden Euro ausweiten. Da dies politisch nicht akzeptiert werden kann, sind ab Sommer 2010 mit herben Einschnitten bei den Beschäftigten, vor allem aber bei Rentnern, zu rechnen.

 

An den einstündigen Vortrag schloss sich eine fast zweistündige Diskussion der Teilnehmer mit dem Referenten an, in der einzelne Punkte weiter vertieft wurden, insbesondere auch, was aktuell politisch getan werden muss, um die fehlende Nachfrage aus den Ausland durch eine sich verstärkende Binnennachfrage auszugleichen.

 

Die Unabhängigen Bürger wollen diese erfolgreiche Vortragsreihe mit weiteren aktuellen Themen fortsetzen.


18.11.2009 Jörg Schwaderer (UB)

Finanzkrise

Die Zuhörer sind fasziniert und folgen dem Vortrag gespannt.

 

Michael Schlecht

Der Referent Michael Schlecht ist mit Leib und Seele am Thema.